Die Lehrtraditionen im Buddhismus

Informationen zu den Lehren im Buddhismus

Buddhisten bei der Meditation

Die Lehren des Buddhismus beruhen auf den Königssohn Siddhartha Gautama, welcher um 550 v. Chr. in Nepal lebte und im Alter von 35 Jahren unter einem Bodhi-Baum zur Erleuchtung gelangte und fortan die Lehre an seine Schüler weitergab. Nach seinem Tod spaltete sich der Buddhismus in zwei Schulen, oder „Fahrzeuge“ auf, welche auf unterschiedlichen Wegen die Erfahrung des Nirvana, der Erleuchtung, anstreben. Unterschieden wird dabei in kleines und großes Fahrzeug.

Die einzige Form des Buddhismus, welche sich heute noch direkt auf die ältesten überlieferten buddhistischen Schriften bezieht, welche im 3. Jahrhundert v. Chr. im Pali-Kanon zusammengetragen wurden, ist Theravada, die „Schule der Ältesten“. Der Buddhismus wird hier als Erlösungslehre verstanden, welcher jeder nach seiner eigenen Kraft entgegenstrebt. Zentrale Figur ist der Weise Arhat, welcher nach seinem Tod dem Nirvana begegnet. Diese Form des Buddhismus ist vorrangig in Thailand, Laos oder Myanmar anzutreffen. Um die Zeitenwende bildete sich in Indien die Lehre des Mahayana, des „Großen Fahrzeuges“ heraus.

Dieser erweiterte Heilsweg ist geprägt vom Wunsch, alle Menschen zu erlösen

Leitfigur ist „Bodhisattva“, eine erleuchtetes Wesen, welches selbst auf den Eintritt in das Nirvana verzichtet, um andere auf den Weg der Erlösung zu begleiten. Voller Mitgefühl begegnen Mahayana-Anhänger anderen Menschen, um sie zur Erleuchtung zu führen. Ein weiterer Unterschied zum Theravada ist das Aufheben der Kultlosigkeit. Wunderglaube und Reliquienkult gewinnen an Bedeutung. Mahayana gilt als populärste Lehrtradition des Buddhismus und ist in China, Japan und Korea verbreitet.

Im 5. Jahrhundert gelangte der Buddhismus nach Tibet und auf der Grundlage des Mahayana bildete sich die Lehre des Vajrayana, der buddhistischen Form des Tantrismus, des „Diamantenen Fahrzeuges“, heraus. Ziel ist es, alle menschlichen Energien in ein höheres Bewusstsein umzuwandeln. Hauptunterschied zum Mahayana sind zahlreiche Techniken, wie Yoga, Meditation oder Mantras, welche die Erreichung des buddhistischen Heilzieles beschleunigen sollen. Vajrayana ist eine Sammelbezeichnung aus verschiedenen Schulen und hauptsächlich in Tibet, China und Japan vertreten. Der Dalai Lama ist eine wichtige Identifikationsfigur des tibetanischen Buddhismus und machte die Lehre weltweit bekannt. Ein entscheidendes Merkmal dieser Lehrtradition ist die enge Beziehung zwischen Lehrern und Schülern. Die Lehren des Vajrayana beruhen auf geheimen Praktiken und Ritualen, welche schrittweise an die Schüler weitergegeben werden.

In neuerer Zeit gewann der japanische Zen-Buddhismus in Europa und den USA mehr und mehr Anhänger. Diese Lehrtradition geht auf den „Ch`an“-Buddhismus, welcher im 7. Jahrhundert in China entstand zurück. Damals wurde diese Lehrtradition nur von ausgewählten Zen-Meistern in den Klöstern weitergegeben. Heute ist es auch Laien möglich, sich die Lehren anzueignen. Ziel ist das Erlangen der Erleuchtung durch richtiges Denken und die Konzentration des Geistes.

Im Soto-Zen-Buddhismus verharrt der Praktizierende schweigend im Lotus-Sitz mit offenen Augen vor einer Wand.

Der Rinzai-Zen-Buddhismus beruht sich auf Koans, die Lösung dieser Rätsel soll plötzlich zur Erlösung führen.